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trotz recycling kein grüner Punkt: - Zero-X Sound Processing Software Vers. 1.02 Pro

Jeder Musiker, der mit Drumloops arbeitet, kennt das Problem: mit Timestretching und Pitch-shifting mühevoll zurechtgebogene Loops passsen nicht ins vorgegebene Arrangement, grooven nicht mehr oder verlieren ihre Klangfülle. Mit Zero-X, einer Software im Vertrieb der Firma Soundpool, gibt es nun auch für Atari-User ein Werkzeug, das neben umfangreicher Samplebearbeitung das "recyclen" von loops erlaubt, indem es die Instrumente des loops in einzelne Samples splittet und per MIDI Sample Dump oder SCSI an den Sampler schickt. Für den Sequenzer wird das passende MIDI-File generiert, das nun in Tempo und Groove frei variierbar ist.

Zero-X läuft auf allen Ataris und wird mit einem Dongle als Kopierschutz auf einer einzigen DD-Diskette geliefert. Da das Sample immer komplett eingelesen werden muß, sind der Größe des Samples Grenzen durch den jeweiligen RAM-Speicher gesetzt. Die Rechengeschwindigkeit und Klangkontrolle ist mit einem Falcon natürlich am besten, die Software unterstützt auch mehre SPDIF-Interfaces, wie z.B. das FDI von Steinberg. Eine Ausgabe via Interface ist allerdings nur für Stereosamples möglich, monophone müssen erst in stereo umgerechnet werden, was dann RAM-Speicher kostet. Etwas Sorge bereitete mir auch bei Signalpause das Ausschlagen des VU-Meters an meinem DAT-Recorder: hier liegt wohl eine nicht ganz beabsichtigte Gleichspannung an! Bei STE- und TT-Rechnern muß für die Audioausgabe erst eine temporäre 8bit-Kopie erstellt werden, was etwas Rechnerzeit kostet. Beim ST soll mit dem nächsten Update eine Soundausgabe möglich sein. Verarbeitet und auch gewandelt werden unterschiedlichste Audio-Dateiformate, wie z.B. Cubase .AIF, Sounddesigner .SD, PC .WAV . Hier ist die Größe der Datei nur durch die Festplattenkapazität begrenzt. Eine Sampleratenkonvertierung ist ebenso vorgesehen.

Fensterblick
Das Sample Window zeigt das Sample im Lautstärkeverlauf. Veränderungen werden über die Pulldownmenüs oder die Toolbar vorgenommen, eine Onlinehilfe in der rechten oberen Ecke erklärt deren Funktion. Loop -und Blockpunkte können auch mit der Maus direkt in das Fenster geklickt werden, weiteste Zoommöglichkeiten, eine overview-Funktion und ein frei definierbarer Userzoom erleichtern das editieren. Leider sind Veränderungen während des Schleifenlaufs nicht unmittelbar zu hören, sondern erst nach stoppen und neustarten. Alle wichtigen Bearbeitungsfeatures wie optimize, silence, get peak, digital noisegate, fade und reverse block sind implementiert. Mit smartCut wird ein Sampleteil oberhalb eines definierbaren Noiselevels intelligent ausgeschnitten, Stereofiles können in Mono und umgekehrt umgerechnet werden. Im Clipboard können einzelne Blöcke abgelegt und mit anderen gemischt werden. Aus zwei Monosamples kann man auch ein Stereosample zusammenstellen. Mit Datei-Split kann ein geloopter Sound in ein Programm importiert werden, daß keine Loops unterstützt. Dabei wird das Sample bis zum Loopstart in einer Datei, der Loop selbst in einer zweiten Datei gesichert. Gerade für Cubase Audio User ist dies eine sehr nützliche Funktion.

Schleifenbildung
Wesentlicher Punkt einer solchen Software ist natürlich die Qualität der Autoloop- und Crossfadefunktionen. Zero-X bietet eine Autoloopfunktion, die den bestmöglichen Loopstartpunkt für einen vorgegebenen Endpunkt sucht und eine Autosearchfunktion, die den besten Loop mit variablem Anfangs- und Endpunkt ermittelt. In letzterer werden ab TOS 4.04 die besten 10 loops festgehalten, da das Gehör oft genug anders beurteilt als die Mathematik. Wählt man den Block, in dem gesucht werden soll nicht zu groß, ist die Bearbeitungsgeschwindigkeit durchaus gut. Crossfades können als Minimum- oder User Xfade gewählt werden, ersterer eliminiert sehr behutsam leichte Klicks. Um Pegelsprünge zu vermeiden, paßt eine Gatefunktion die Pegel eines Blocks aneinander an. Leider gibt es keine Undofunktion, sodaß diese destruktiven Funktionen nur durch Neuladen des Samples wieder rückgängig gemacht werden können. Die Ergebnisse sind gut, jedoch gibt es auch hier Stereosamples, für die keine 100%ige Lösung gefunden wird.

Splitting Image
Nicht nur für Drumloops, sondern auch für Gitarren-, Bläser- und andere Licks bietet der DrumSplit raffinierte Möglichkeiten. Der Autodrumloop findet nach vorher bestimmtem Loopstart in einem markierten Block das geeignete Loopende. Das Tempo des Loops kann mit drei Stellen Genauigkeit ausgerechnet und zur Bestimmung des Loopendes herangezogen werden. Mit dem Befehl split Drums wird die Loop in einzelne Instrumente zerlegt, noise-, gate- und ResponseLevel, aber auch Taktart und Anzahl der Looptakte werden im Menü Split settings vorher festgelegt. Natürlich muß das Audiomaterial so beschaffen sein, daß diese Funktion Sinn macht: von einem all zu dicht gewebten Percussionsteppich sollte man lieber die Finger lassen. Um die einzelnen Instrumente nun von einem Sequenzer spielen zu lassen, kann mit create Midifile ein solches generiert werden, die Noten werden von C2 aufwärts festgelegt. Je nach Material und geeigneter Einstellung der split settings werden gute Schnitte der einzelnen Drumsounds erzielt, gegebenenfalls können die Start- und Endpunkte manuell editiert werden, Splitpunkte hinzugefügt oder gelöscht werden. Diese Funktion arbeitet nichtdestruktiv, kann also beliebig oft wiederholt werden, ohne die Loop neu laden zu müssen. Leider können nur Monoloops gesplittet werden, mit dem Befehl save drums werden sie als einzelne Samples gesichert und stehen nach Neuladen nun einzeln zum bearbeiten zur Verfügung. Allerdings hat man dann nur die Möglichkeit, sie einzeln an den Sampler zu übertragen.

SCSI-Autobahn oder MIDI-Pfad
Im Transfer-Window steht die SCSI- oder MIDI-Schnittstelle als Datenübertragung zur Auswahl. Alle Sampler, die dem MIDI-Sample Dump Standard entsprechen, sollten mit Zero-X komunizieren können. Wesentlich eleganter und vor allem schneller ist die šbertragung per SCSI. Bisher wird das SCSI Musical Data Interchange Format unterstützt, das von Peavey und Kurzweil verstanden wird, an der Einbindung von allen gebräuchlichen Samplern wird gearbeitet. Wie üblich ist auf richtige Terminierung und Adressierung der SCSI-Schnittstellen zu achten. Auch 12bit-Samples können eingelesen werden, sie werden in Echtzeit auf 16bit konvertiert, da Zero-X intern nur mit dieser Auflösung arbeiten kann. Der Austausch von Samples per MIDI-Dump klappte mit dem im Test verwendeten Roland S750 in beiden Richtungen nur eingeschränkt, kurze Samples verweigerte er mit der Meldung Dump Adress Error, längere nahm er dagegen ohne Murren. So konnte die magische Funktion "send all splitted drums" erst mit einem freundlicherweise von der Frankfurter Firma PA-Sound zur Verfügung gestellten Akai S3000 erfolgreich getestet werden. Etwas Erfahrung braucht das Zerlegen von Loops auf jeden Fall, ruckzuck hat man eine lang nachschwingende Kick oder einen snare-Hall zerstückelt, was mit einem Delayeffekt bestraft wird. Mit der Funktion delete oder insert drumsplit sind Veränderungen sehr schnell auszuführen, die Schnitte sitzen fast immer automatisch richtig. Die Rechenzeit ist gerade bei diesen Funktionen richtig schnell. Weniger schön für Falcon-User ist die Tatsache, daß es keinen Key-Expander für den ROM-Port gibt. So heißt es jedesmal beim Wechsel von Zero-X zum Sequenzer(wenn er auch einen Dongle hat) Rechner ausschalten, Dongle wechseln und neu booten. Da hilft auch das schönste Multi-TOS nichts!

Aussichten
In den nächsten Updates sind neben der Einbindung aller gebräuchlichen Sampler einige interessante Neuerungen vorgesehen, wie resampling mit neuer Tonhöhe und Geschwindigkeit, Aufzeichnen von Samples via SPDIF-Interface, ASCI-Support, MIDIfile-Player, Sampleratenkonvertierung auch in Stereo und Bearbeitung von Samples, die größer als der RAM-Speicher sind. Fazit Mit Zero-X hat der Atari-User endlich ein Werkzeug in der Hand, daß neben der klassischen Samplebearbeitung das kreative Zerlegen von Loops jeglicher Art ermöglicht. Der künstlerischen Freiheit Loops zu beschleunigen, zu quantisieren und variieren stehen nun neue Möglichkeiten offen. Schon in der ersten Version besticht das Programm durch seine Geschwindigkeit und Absturzsicherheit. Kleine Schönheitsfehler und die nicht immer einwandfrei funktionierende Kommunikation per SCSI oder MIDI sollten im nächsten Update im Sommer behoben sein.