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Equitek E-300 Studiokondensatormikrofon

In Deutschland noch nicht so sehr bekannt sind die Mikrofone der amerikanischen Firma CAD, deren Kürzel für Conneaut Audio Devices steht. Aus der "with pride" in Ohio gefertigten Equitekserie möchte ich hier das neueste Flagschiff mit dem Namen E-300 vorstellen, dessen Einsatzgebiet für alle anspruchsvollen Aufnahmen von Sprache-/Gesang, akustischen und elektrisch verstärkten Instrumenten bis zu Klangquellen mit hoher Dynamik reicht.

Eindeutig Vintage-Charakter hat die zylindrische Form mit den imposanten Maßen von 23cm Länge und 6.5cm Durchmesser und läßt eher Röhrentechnik als modernste IC-Technik vermuten. Sowohl das Mikrofongehäuse als auch das Edelstahlgeflecht des Korbes machen einen unverwüstlichen Eindruck. Die unterschiedliche Verschaltung der beiden goldbeschichteten Großmembrane ermöglicht sowohl Kugel-, Achter- und Nierencharakteristik, die Wahl erfolgt ebenso wie der -20dB Pad und das Hochpaßfilter mit einem Schalter an der Mikrofonfrontseite. Der elektronisch symmetrierte Output befindet sich wie das Schraubgewinde zur Stativ- bzw. Haltermontage an der Unterseite.

Als Besonderheit fällt ein vierter Schalter an der Front auf, mit dem sich das Mikrofon ausschalten läßt. Bei Phantomspeisung ist dies in der Regel ja unnötig, beim E-300 erklärt dies seine ungewöhnliche Konstruktion: ausgehend davon, daß gerade bei extremer Dynamik die Phantomversorgung nicht immer schnell genug für entsprechend "Saft" sorgt, haben die CAD-Ingenieure dem E-300 zwei spezielle NiCad 9Volt-Blocks eingebaut, die eine sichere Spannungsversorgung gewährleisten. Voll geladen können diese Batterien das Mikro sechs Stunden lang ohne Phantompower versorgen, bei anliegender Phantomspeisung werden die Akkus automatisch geladen. Ebenso können auch normale Alkaline-Batterien verwendet werden, wenn z.B. keine Phantomspeisung möglich ist. Zugang zu den Akkus erhält man nach Lösen von drei Schrauben und Abziehen des Mikrounterteils. Um bei vergessenem Ausschalten versehentliches Entleeren der Akkus zu verhindern, gibt es eine sogenannte Auto Power Shut Off Funktion, die bei Fehlen der Phantompower automatisch auch die Akkus abschaltet. Um das Mikro ohne externe Speisung zu betreiben, muß diese auf manual geschaltet sein, was jedoch nur durch Öffnen des Mikros und Umstecken eines Jumpers zu bewerkstelligen ist.

Die Elektronik ist im Vergleich zu vielen anderen Studiomikrofonen nicht diskret mit FETs, sondern mit hochwertigen Operationsverstärkern aufgebaut. Durch sorgfältige Auswahl der Bauteile und hohe Gegenkopplung werden technische Spitzenwerte erreicht, die Empfindlichkeit von 17,8mV/Pascal und das Eigenrauschen von 11dB SPL(A-gewichtet) ermöglichen bei einem maximalen Schalldruck von 148dB SPL eine nutzbare Dynamik von 137dB. Diese Werte, aber auch die Frequenzkurve des beigelegten individuellen Meßdiagramms spiegeln sich weitgehend im

Höreindruck wieder: eine leichte Anhebung der Bassfrequenzen von 10 bis 100Hz um etwa 1dB führt zu einer durchsetzungsfähigen Reproduktion auch tiefster Frequenzen, im Präsenzbereich erhöht dies die Transparenz und eine deutlich wahrnehmbare Anhebung bei 10kHz um bis zu 5dB betont ähnlich einem Exciter die Obertonstruktur. Auch größte Dynamikunterschiede werden einwandfrei verarbeitet, zwischen den einzelnen Richtcharakteristiken lassen sich in der Betonung der Obertonstruktur leichte Unterschiede ausmachen.

Fazit: Sicherlich entscheiden in dieser Preisklasse nicht nur technische Aspekte, oft genug sind bestimmte Mikrofone Quasistandard oder reine Geschmacksfrage. Sowohl von der technischen Qualität als auch vom Preis von 2790.-DM ist das E-300 eine Konkurrenz zu etablierten Neumännern und AKGs. Für das Equitek spricht, neben der Möglichkeit, ohne Phantomspeisung zu arbeiten, vor alllem der ausgewogene Klang und die universale Verwendbarkeit für alle Belange des Recordings.